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Der Teppich von Bayeux , entstanden um 1070/80, ist ein Wandbehang von ursprünglich wohl über 70 Metern Länge (erhalten sind 68,38 Meter) und 45,7 bis 53,6 cm Höhe, ein schmaler, sehr langer Streifen aus Leinwand also, der fortlaufend bestickt ist mit 60 farbigen Bildszenen aus der damals jüngstvergangenen Geschichte: Er berichtet, wie
Wilhelm , Herzog der Normannen König von England wurde.
Ein besonderes Merkmal des Teppichs ist die kontinuierende Darstellungsweise. Durch Bäume und hohe, turmartige Architekturelemente wird die Bildererzählung gegliedert. Ebenso sind die Menschen Bestandteil der fortschreitenden Darstellung und oft gehen die Bildszenen ineinander über. An keiner Stelle aber stört ein abrupter Wechsel des Ortes oder ein zeitlicher Bruch den Ablauf der Ereignisse. Wo durch trennende Bäume oder Türme ein Bild sich zu isolieren droht, werden Überleitungsfiguren plaziert. Dies sind z.B. Boten, Späher, Spione oder Personen, die mit dem Finger auf die Hauptakteure zeigen, so das Geschehen transparent machen und die Handlung weitertreiben.
Oberhalb der Bilder sind Schriften angebracht. Es ist anzunehmen, daß die lateinische Beschriftung erst nachträglich hineingestickt wurde, denn sie nimmt Rücksicht auf die Bildelemente, wie an dieser Darstellung , die die Abreise Harolds in die Bretagne zeigt, deutlich zu sehen ist. An anderer Stelle ist die Fläche, die für die Schrift verblieb, derart schmal, daß Wörter auseinandergerissen werden müssen. Die deutliche Schriftüberladenheit wirft die Frage auf, ob ein derartiger Wortreichtum in der ursprünglichen Konzeption überhaupt vorgesehen war.
Auftraggeber dürfte der Halbbruder Herzog Wilhelms, Bischof Odo von Bayeux , gewesen sein. Er ist auf dem Teppich mehrmals an bevorzugter Stelle dargestellt und er war der Hüter der Reliquien von Bayeux. Entworfen und gestickt wurde die Bildergeschichte wohl in England, dafür spricht die Tradition solcher Wandteppiche in diesem Land (auch wenn nur Fragmente überliefert sind), und dafür sprechen manche Anklänge an das Altenglische in Schrift und Sprache der Bildüberschriften. Der Wandbehang war sicher nicht für die Kathedrale von Bayeux bestimmt. Dieser schmale, lange Streifen eignete sich vielmehr für die Halle eines Adelssitzes. Daß Odo in Bayeux einen Palast bauen ließ ist überliefert.
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